Gesichter des Streunerleids im Landkreis Harz

Hier stellen wir einige von sehr vielen Katzenschicksale vor,
die im Landkreis Harz von Tierschützenden gesichert und versorgt wurden.

Versäumte Kastration verursacht viel Leid!

Achtung - Triggerwarnung! Wir zeigen hier teilweise schwer verletzte Katzen.

Herr Luchs aus Blankenburg


​Herr Luchs wurde angefahren und schwer verletzt in einem Wohngebiet gefunden. Doch Hilfe von offizieller Seite blieb aus: Das Ordnungsamt stufte ihn als „Wildtier“ ein und verweigerte die Aufnahme mit der Begründung, die Natur würde das schon regeln.
Wir ließen ihn nicht im Stich und übernahmen seine Rettung. Sein Vorderbein war leider nicht mehr zu retten und musste schließlich amputiert werden. 

Heute führt er als „Dreibeinchen“ ein geschütztes Leben, doch sein Fall macht fassungslos: Ein verletztes Lebewesen als „Naturfall“ abzustempeln, um sich der Verantwortung zu entziehen, ist grausam. Wir brauchen eine Verordnung, die sicherstellt, dass Zuständigkeiten nicht wegdiskutiert werden, wenn ein Tier in Not ist.

​Asi aus Cattenstedt 

In Cattenstedt war er eine Legende – ein stolzer, unnahbarer Streuner. Wir haben über lange Zeit versucht, Asi zu sichern, ihn zu kastrieren und medizinisch zu versorgen. 
Erst ein schwerer Verkehrsunfall brach seinen Widerstand. Mit zertrümmertem Kiefer und schweren Verletzungen blieb ihm keine Kraft mehr zur Flucht. Endlich konnten wir ihn fangen und ihm die Hilfe geben, die er so dringend brauchte.​ 
Trotz aufwendiger Operationen und der Hoffnung auf ein zweites Leben war Asis Körper bereits zu gezeichnet. Die jahrelangen Revierkämpfe hatten ihm ein trauriges Erbe hinterlassen: FIV. Durch den Stress des Unfalls und der Verletzungen brach die Immunschwäche mit voller Wucht aus.

Asi hat den Kampf am Ende verloren und steht stellvertretend für die vielen unkastrierten Kater im Harz, deren Leben durch Unfälle und Infektionen viel zu früh und unter großen Qualen endet. Er konnte erst gerettet werden, als es für eine Heilung bereits zu spät war. 

Bärbel aus Schierke

​Am Bahnhof in Schierke war sie ein trauriges Muster, das viele sahen, aber niemand stoppte – bis wir sie endlich sichern konnten. Ihr Anblick war kaum zu ertragen: Der Schwanz war fast vollständig abgetrennt, die Wunde entzündet und von Maden zerfressen.
Es war kein Unfall, sondern das Ergebnis gezielter menschlicher Gewalt. Wo Katzenbestände mangels Kastration unkontrolliert anwachsen, fühlen sich viele Menschen gestört, und aus dieser Ablehnung schlägt viel zu oft blinder Hass gegen wehrlose Tiere um. Bärbel wurde notoperiert und kämpfte sich zurück ins Leben, doch die Spuren bleiben: Durch die schweren Verletzungen ist sie heute inkontinent. Auf einem Gnadenhof in Harlingerode hat sie nun endlich Sicherheit gefunden, doch ihr Schicksal bleibt ein Mahnmal dafür, dass unkontrollierte Vermehrung im Harz direkt zu Konflikten und grausamer Gewalt führt.


Bella aus Wienrode

​Im Juni 2025 wurde die kleine Bella in Wienrode gefunden – ein Ortsteil von Blankenburg, an dem ihr Schicksal fast besiegelt gewesen wäre. Ihr Auge war so massiv entzündet, dass eine operative Entfernung unausweichlich schien. Doch Bella fand Rettung im Tierheim Quedlinburg. Dank der intensiven medizinischen Versorgung durch das Team geschah das kleine Wunder: Das Auge regenerierte sich fast vollständig, und nur ein hauchdünner Schleier blieb als Erinnerung zurück. Das schönste Ende ihrer Geschichte schrieb jedoch ihre Finderin, die ihr Herz an die kleine Kämpferin verlor und sie dauerhaft bei sich aufnahm. Bellas Fall zeigt, dass Tierschutz im Harz oft über Stadtgrenzen hinweg funktionieren muss und wie wichtig es ist, dass jedes Tier – egal woher es kommt – eine Chance auf Hilfe erhält.

Versäumte Kastration verursacht viel Leid!

Achtung - Triggerwarnung! Wir zeigen hier teilweise schwer verletzte Katzen.

Shiva aus Westerhausen

​Anfang Juli 2025 musste das Tierheim Quedlinburg die kleine Shiva aus Westerhausen aufnehmen – ein Anblick, der das Ausmaß des Elends vor Ort verdeutlichte. Schwer unterernährt und mit einer schweren Lungenentzündung kämpfte das Kätzchen um jeden Atemzug. Über Jahre hinweg versuchen der Tierschutz und engagierte Nachbarn in Westerhausen bereits, die unkontrollierte Vermehrung durch Kastrationen einzudämmen. Doch ohne eine verbindliche Verordnung bleibt es ein verzweifelter „Kampf gegen Windmühlen“: Immer wieder bleibt ein Tier unentdeckt, und der Kreislauf aus Hunger und Krankheit beginnt von vorn. Shiva hat ihren Kampf am Ende trotz aller Bemühungen verloren. Ihr Tod ist eine Mahnung: Das Ehrenamt kann diese Mammutaufgabe nicht allein stemmen. Wir brauchen die rechtliche Basis des § 13b TierSchG, damit kleine Seelen wie Shiva nicht mehr geboren werden, nur um qualvoll zu sterben.


Günther aus Güntersberge

​Jahrelang war Günther ein Schatten, der sporadisch in Güntersberge auftauchte. Er wurde dort zwar geduldet und gefüttert, doch er gehörte niemandem – und niemand war für seine Gesundheit verantwortlich. Erst als sein Körper am Ende war und er sichtlich abbaute, wurde er vom Tierheim Quedlinburg aufgenommen. Gemeinsam wurde alles versucht, um ihn medizinisch zu stabilisieren, doch die jahrelange Vernachlässigung auf der Straße war stärker. Nach nur wenigen Tagen in menschlicher Obhut ist er einfach eingeschlafen. Günther ist das stille Gesicht für all die Katzen im Harz, die zwar „mitversorgt“, aber nicht geschützt werden. Er zeigt schmerzhaft, dass Füttern allein nicht reicht, wenn die rechtliche Grundlage für eine flächendeckende Vorsorge und Kastration fehlt.

Drei Leben hinter der Kirchentür

An einem kalten Herbstwochenende standen in Badersleben, einem Ortsteil der Gemeinde Huy, drei winzige Leben in einem verschmutzten Karton hinter der Kirchentür – unterkühlt, ausgehungert, kaum noch kraftvoll genug zu schreien. Eine ganze Nacht lang warteten sie im Verborgenen auf Hilfe, dem Tod näher als dem Morgen. Nur ein Zufall rettete sie.

Doch ihr Leid ist kein Einzelfall. Es ist das stille Ergebnis unkontrollierter Vermehrung, fehlender Kastrationen und menschlicher Überforderung. Obwohl es vor Ort eine Katzenschutzverordnung gibt, trägt in der Realität fast nur eine einzige Frau die Last – sie kämpft seit Jahren allein gegen das Elend, versorgt ausgesetzte Tiere, finanziert Kastrationen, rettet Leben.

Diese drei haben überlebt. Aber wie viele bleiben ungehört hinter verschlossenen Türen?

Ausgesetzt am Bach

Am Ufer eines Baches in der Gemeinde Huy saßen ausgesetzte Kitten im Gras – ohne Mutter, dem Tod ausgeliefert. Nur durch Zufall wurden sie entdeckt und gerettet.

Doch solche Funde sind kein Einzelfall: Immer wieder werden in der Region Jungtiere tot aufgefunden – Opfer unkontrollierter Vermehrung. Während Ehrenamtliche auffangen, versorgen und vermitteln, setzt die Kommune vor allem auf kostengünstige Fundtierverwahrung.

Wenn Kitten bereits am Bach sitzen, ist es zu spät.

Wirksamer Schutz beginnt mit verbindlicher Kastration und klaren Regelungen – nicht erst beim Einsammeln der Überlebenden.